Rede von Jörg Hänisch zur Vereidigung

Veröffentlicht am 14.05.2013 in Reden

Sehr geehrter Herr Prof. Kahrs
Sehr geehrte Gemeinderäte
Sehr geehrte Ortsvorsteher
Sehr geehrte Damen und Herren
Liebe Freunde
Ich freue mich, dass Sie heute aus Anlass meiner Vereidigung hierher in die Hochschule für Religionspädagogik zur öffentlichen Gemeinderatssitzung gekommen sind.
Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind groß zu ziehen, heißt es in einem Afrikanischen Sprichwort.

Intro
Vor reichlich 35 Jahren bin ich durch einen beruflichen Wechsel meines Vaters in unseren Ort gezogen.
Das Leben hier in Moritzburg, die Entwicklung, die Vielfalt an Möglichkeiten, insbesondere in der Nähe zu Dresden, haben mich geprägt.
Als ich als 16 Jähriger hier im Gelände des Brüderhauses und später auf der Waldstraße meine erste Wohnung fand, hätte ich mir nie zu träumen gewagt, jemals als Bürgermeister in dieser Gemeinde zu arbeiten.
Meine Eltern haben sehr frühzeitig den wachen kritischen Zeitgeist bei mir gefördert und mir stets vor Augen geführt, dass der Andersdenkende nicht mein Feind sondern mein Gegenüber ist.
Diese Umgangsform im Denken und Handeln war für mich eine wesentliche Stütze in der Zeit der friedlichen Revolution 1989 und in den Jahren des Neuanfanges hier in unserer Gemeinde.

Dank
Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei all denen bedanken, die mich auf dem Weg bis heute begleitet, beraten, mit mir gestritten und mich unterstützt haben.
Zu aller erst ein Dank an meine Eltern und meine Schwester. Sie haben mir die Tür in das Dorf geöffnet, welches zur Erziehung eines Kindes notwendig ist. Ein herzliches Dankeschön an Dich lieber Vater für manchen Streit um Grundsätze und die vielen Lebensweisheiten und Wahrheiten die Du mir vermittelt hast. Und wir sind uns sicher Mutter schaut zu und freut sich mit uns.
Liebe Sabine ohne Deine Geduld mit mir und deine ermahnenden Worte wenn ich mal wieder tausend Ideen gleichzeitig verwirklichen will, würde ich heute hier nicht stehen. Ich danke dir dafür.
Für das Großziehen eines Kindes im Dorf sind nicht nur die „Alten“ zuständig. Ich habe in den letzten Jahren, eigentlich tagtäglich, viel von unseren Kindern und ihren Freunden gelernt. Ihre unkonventionellen Sichtweisen auf die Dinge des Alltages sind sehr wertvoll und helfen mir neue Möglichkeiten und Chancen zu entdecken. Habt vielen Dank.
Ein Dankeschön an meine, unsere Freunde. Oft bleibt kaum Zeit für einen gemeinsamen Abend. Aber die Gespräche mit Euch, die kritischen Hinweise auf Entwicklungen oder manchmal auch nur das Zuhören geben mir viel Kraft.
Als parteiloser Bürgermeister zu kandidieren ist entweder eine reine Privatangelegenheit oder eine Partei gibt einem Kandidaten das Vertrauen. Ich danke der Moritzburger SPD Ortsgruppe, die mich mit der festen Gewissheit nominiert hat den ersten SPD Bürgermeister im Landkreis zu stellen.

Ich danke meinem bisherigen Arbeitgeber der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen g GmbH für die Möglichkeit in der Zeit des Wahlkampfes unbürokratisch Urlaubstage und Arbeitszeitausgleich in Anspruch zu nehmen.
Ich würde sicher heute hier nicht vereidigt, ohne die Unterstützung eines so tollen Wahlkampfteams. Ich möchte bei meinem Dank keinen Namen besonders hervorheben, denn die Form der Unterstützung war sehr groß und vielfältig. Ich bedanke mich bei allen, die in den letzten Monaten Flyer, Briefe und Plakate mitgestaltet haben, in mehreren Runden die Briefkästen unserer Haushalte befüllten, über und hinter dem Gartenzaun Gespräche führten und mich bei den Wahlkampfauftritten unterstützten. Ihr habt eine tolle Arbeit geleistet.
Eines der wichtigsten Errungenschaften der friedlichen Revolution ist für mich die Möglichkeit frei und geheim zu wählen. Dazu gehören Kandidaten von denen am Schluss nur einer gewinnen kann. Sehr geehrter Volker John ich danke Ihnen für den fairen und offenen Wahlkampf. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass mit heruntergeklapptem Visier gekämpft wurde. Ich würde mich freuen, wenn wir das auch in der weiteren Zusammenarbeit so praktizieren können.
Zum Schluss meiner Danksagung ein Gruß an den Altbürgermeister Georg Reitz. Seit dem Tag meines Wahlsieges hat mich Georg Reitz in die Abläufe der Verwaltung und des Gemeinderates eingebunden. In den vergangenen Wochen konnten wir in vielen Gesprächen die reibungslose Übergabe der Amtsgeschäfte im Interesse und zum Wohl unserer Gemeinde sehr offen und konstruktiv vorbereiten. Dafür ein herzliches Dankeschön an Georg Reitz.

Arbeit
Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind groß zu ziehen.
Was kann ich als Bürgermeister dazu tun?
Damit sich unsere Gemeinde und somit ihre Bewohner weiter entwickeln können, bedarf es der unterschiedlichsten Rahmenbedingungen.
Damit es diese Rahmenbedingungen gibt oder sie optimiert werden, wurden unterschiedliche Gremien und Einrichtungen geschaffen, deren letztendliche Verantwortung dem Bürgermeister obliegt.
Als Bürgermeister bin ich Vorsitzender des Gemeinderates. Ich möchte in dieser Funktion überparteilich die kommunalpolitischen Prozesse steuern, in den Gemeinderatssitzungen moderieren und eine größere Öffentlichkeit für die Arbeit des Gemeinderates anregen. Vor dem erfolgreiche Wirken der vergangen Legislaturperioden, oft überparteilich an den Sachthemen der Gemeinde orientiert, habe ich größten Respekt. Gerade die Debatten in öffentlichen Gemeinderatssitzungen um Einzelvorhaben und der kommunalpolitische Diskurs über Ortsentwicklung und Finanzierbarkeit, sollten Transparenz und Anerkennung der ehrenamtlich, politisch engagierten Gemeinderäte schaffen. Ich wünsche mir eine größere Anteilnahme unserer Bevölkerung am Wirken des Gemeindeparlamentes, aber auch die stärkere Einbindung der Bedürfnisse unserer Einwohner durch persönliche Gespräche mit Gemeinderäten und dem Bürgermeister.

In fast allen Ortsteilen unserer Gemeinde arbeiten aktive Ortschaftsräte oder sind derzeit in Gründung. Eines meiner Wahlversprechen ist die wesentlich stärkere Einbindung dieser ehrenamtlichen Bürger in Prozesse unserer Gemeinde. Die tausend kleinen Dinge, die zu Störungen im kommunalen Alltag führen, erkennen und erfahren die Ortschaftsräte viel eher, als Verwaltung oder Gemeinderat. Im direkten Gespräche mit den Ortschaftsräten möchte ich möglichen Fehlentwicklungen vorbeugen und ihnen Gemeinderatsbeschlüsse und notwendige Verwaltungsabläufe erläutern. Zur Stärkung gehört für mich auch die Übertragung direkter Budgetverantwortung für Ortschaftsräte zur Entlastung der Verwaltung in dem vom Gemeinderat beschlossenen Rahmen.
In den Jahren des Zusammenwachsens unserer Ortsteile wurde in einem kommunalen Aufgabengebiet eine gemeinsame Struktur ausgebaut und gefestigt, die für unsere Sicherheit sehr wichtig ist. Ich meine die ehrenamtliche Arbeit der Kameradinnen und Kameraden unseren freiwilligen Feuerwehren. Was sie in ihrer Freizeit leisten, Tag und Nacht bereit stehen für eventuelle Schadensereignisse, verdient meine und unsere größte Anerkennung. Ich werde den freiwilligen Feuerwehren, dem Gemeindewehrleiter und dem Gemeindefeuerwehrausschuss ein verlässlicher Partner sein. Wir haben noch einiges vor in der Zukunft. Insbesondere möchte ich mich als Bürgermeister dem Thema der Tagbereitschaft und der Begeisterung unserer Kinder für die Aufgaben in der Feuerwehr aktiv widmen.

In den Wahlveranstaltungen die ich erlebt habe, wurde unsere Gemeindeverwaltung oft kritisch angefragt. Es ist keine Organisation so perfekt, dass es nicht Verbesserungspotentiale geben könnte. Wo Menschen gemeinsam arbeiten, noch dazu in einer Behörde, passieren durch Kommunikationsstörungen oder unklare Zuständigkeiten Fehler, die zwangsläufig beim Bürger zu Frust führen. Als Bürgermeister bin ich Leiter dieser Gemeindeverwaltung. Mit meinen Verwaltungserfahrungen möchte ich bis zum Sommer gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern insbesondere auch der Personalvertretung die gegenwärtige Struktur auf den Prüfstand stellen, um daraus eine moderne, dienstleistungsorientierte Verwaltung aufzubauen.

Um ein Gemeinwesen wie unsere Gemeinde weiter zu entwickeln bedarf es gesunder wirtschaftlicher Strukturen. Ich bin kein Freund von dem immer wieder beschworenen und als Allheilmittel probegierten Wachstumsgedanken.
Unsere Ressourcen, auch die in der Kommune, sind endlich.
Ich möchte als Bürgermeister gemeinsam mit der Bürgerschaft, Kreativität und Ideen entwickeln um die bestehenden Potentiale zu stabilisieren und wenn mehrheitlich von der Bürgerschaft akzeptiert auch ausbauen. Für mich sind drei Faktoren von wesentlicher wirtschaftlicher Bedeutung.
Zum einen unsere Handwerksbetriebe, die Unternehmen in den Gewerbegebieten und die Gewerbetreibenden in den Ortsteilen. Für sie gilt es in der Gemeinde die besten Rahmenbedingungen in der Infrastruktur zu schaffen. Ich möchte im Sinne der „Gelben Seiten“ eine Gewerbeübersicht von Moritzburg. Jeder Einwohner oder potenzielle Bauherr sollte wissen, was es vor der Haustür im eigenen Dorf an guten und qualifizierten Betrieben gibt.
Zum zweiten ist der Tourismus ein wichtiger wirtschaftspolitischer Faktor in unserer Gemeinde. Nicht nur im Ortsteil Moritzburg mit seinen touristischen Leuchttürmen gibt es Potentiale auszuschöpfen oder zu heben. Ein verlässlicher Partner ist für mich bei dieser Aufgabe unsere gemeindeeigene Kulturlandschaft Moritzburg GmbH mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Mit diesem Unternehmen und dem Erlebnis Moritzburg e.V. es uns gelingen, die Kulturlandschaft Moritzburg, und damit viele Betriebe und Beschäftigte aus allen Ortsteilen die direkt oder indirekt vom Tourismus partizipieren, stärker in der Region und in Sachsen zu verankern.
Das dritte Potential sind unsere Einwohner. Mit dem Aus- und Neubau von Wohnraum, der Schaffung von planungsrechtlichen Voraussetzungen zur Erschließung neuer Wohngebiete und spezifischer Wohnformen wie z.B. Mehrgenerationshäusern oder altengerechten Wohnanlagen stabilisiert sich unsere kommunale Infrastruktur und es erhöht sich eine wichtige Finanzquelle, der Anteil an der Einkommenssteuer. Ich möchte Moritzburg weiter zu einer attraktiven Wohnlage für junge Familien im Umfeld der Landeshauptstadt Dresden im Sinne der kommunalpolitischen Arbeit der vergangenen Jahre entwickeln und ausbauen.

Neben den wirtschaftlichen, spielen die sozialen Rahmenbedingungen eine wesentliche Rolle. In den Jahren seit 1990 ist auf diesem Gebiet in allen Ortsteilen hervorragendes entstanden. Nur noch wenige Objekte sind auszubauen. In den ersten Gesprächen zum neuen Kinderhaus in Boxdorf ist sehr deutlich geworden, dass die inhaltliche Vielfalt unserer Gemeinde das Pfund ist, mit dem wir wuchern sollten. Ich möchte als Bürgermeister zwei Projekte benennen, nicht weil sie in meinem Heimatortsteil Friedewald liegen, sondern weil eben diese Einrichtungen einen wesentlichen Bestandteil der Vielfalt im Kinder- und Jugendbereich darstellen. Sowohl für den Waldkindergarten als auch die Freinetschule müssen wir als Gemeinde in absehbarer Zeit im Rahmen der zur Verfügung stehenden finanziellen Möglichkeiten grundlegende bauliche Veränderungen und Entwicklungsmöglichkeiten schaffen.
Als Bedarf von vielen angezeigt, wurde eine Verbesserung der Spielplatzsituation. Ich halte wenig von einem vorgesetzten fertigen Spielplatzkonzept des Herstellers A oder B. Als Bürgermeister möchte ich Eigeninitiativen anregen um gemeinsam mit Eltern, Kindern, Firmen unserer Gemeinde und dem Gemeinderat machbare Lösungen zu suchen und gemeinsam umzusetzen.
Für die aus Kindergarten und Schule Herausgewachsenen, gibt es in den Angeboten unserer Gemeinde noch große Lücken. Leider gibt es außer in Boxdorf und Steinbach keine aktiven Jugendclubs. Unsere Feuerwehren und Sportvereine leisten eine ganz hervorragende Arbeit im Kinder- und Jugendbereich. Allein beim TSV Boxdorf / Reichenberg sind über 500 Mitglieder in ganz unterschiedlichen Disziplinen aktiv, Ganz besonders möchte ich den Sportvereinen und Übungsgruppen in allen Ortsteilen unserer Gemeinde meine Unterstützung zusagen. Der Kontakt zu unseren Jugendlichen ist für mich eine wichtige Quelle für neue, zukunftsweisende Ideen und Visionen. Im Herbst dieses Jahres möchte ich ein kommunales Jugendparlament organisieren. Gemeinsam mit interessierten Jugendlichen aus allen Ortsteilen sollen ihre Schwerpunktthemen besprochen, Lösungen erarbeitet und als Vorschlag in den Gemeinderat eingebracht werden.
Aber nicht nur für unsere Jüngsten und Jugendlichen ist ein Bürgermeister verantwortlich. Die hervorragende Arbeit für unsere Seniorinnen und Senioren möchte ich in allen Ortsteilen weiter ausbauen. Die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen zu würdigen und zu unterstützen und die eine oder andere Idee auf alle Ortsteile zu übertragen muss im Blick des Bürgermeisters bleiben.
Eine dritte wichtige Rahmenbedingung betrifft die Kultur, das Lebensgefühl der Bewohner unserer Gemeinde im weitesten Sinne.
Wir leben in einer einmaligen Kulturlandschaft. Die Vielfalt der kulturellen Angebote unserer Gemeinde gilt es zu bewahren. Ich möchte die Zusammenarbeit der staatlichen und privaten Leistungsträger im Interesse unserer Kulturlandschaft fördern. Das Kammermusikfestival, das Kollwitz-Haus, Schloss Moritzburg, das Wildgehege und das Sächsische Landgestüt sind ebenso wichtige Leistungsträger wie die privaten Unternehmen, Vereine und Kirchen mit ihren kulturellen Angeboten. In meiner Tätigkeit als Verwaltungsleiter im Schloss habe ich drei Jahre den Moritzburger Kulturkalender herausgebracht. Wenn sich die hauptamtlich tätigen Kulturschaffenden, die auf diesem Gebiet tätigen Unternehmer und die in den Vereinen engagierten Mitglieder zusammenfinden sollte es möglich sein diese Idee neu zu beleben um die Vielfalt der Angebote und der Anbieter unseren Einwohnern nahe zu bringen. Das breite Spektrum und die Vermittlung von Kunst und Kultur sind ein wichtiger und wesentlicher Grund warum wir uns in unserer Gemeinde wohlfühlen.

Sehr geehrte Anwesende ,

Zum Abschluss ein herzliches Dankeschön an die Hochschule für Religionspädagogik, dass wir heute hier zur Gast sein durften. Vielleicht kann der heutige Abend der Beginn eines aktiveren Miteinanders von Hochschule und Kommune sein.

Viele vor mir liegende Aufgaben habe ich heute hier nicht angesprochen, sie sind für mich aber ebenso von großer Wichtigkeit – Fuß- und Radwege, Straßenbau, Bauhof, Straßenbeleuchtung, Abwasserkonzepte, Ortsentwicklungskonzeption, Nahverkehr, usw .

Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind groß zu ziehen.

Sie als engagierte Bürger die sich aktiv in das Leben der Gemeinde Moritzburg einbringen und ich als Bürgermeister können gemeinsam das unsere dazu tun. In den vorangegangenen Jahren wurde in unserer Gemeinde Großartiges geleistet. Das verdient meine Hochachtung.
Ich möchte alles dafür tun, das ich das in mich gesetzte Vertrauen nicht enttäusche und ich unsere Gemeinde mit Herz und Verstand führe.

Vielen Dank.

 

Zitate

"Entsetzt sehen wir, dass der Kapitalismus, seitdem sein Bruder, der Sozialismus, für tot erklärt wurde, vom Größenwahn bewegt ist und sich ungehemmt auszutoben begonnen hat." - Nobelvorlesung 1999 - Günter Grass

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